Der Flug von Frankfurt nach Casablanca eröffnet uns direkt sehr interessante Einblicke in die arabische Kultur, denn am Boarding-Schalter wartet eine Menge marokkanischer Pilger mit scheinbar Hunderten von Handgepäckstücken darauf, in das Flugzeug einsteigen zu dürfen. Man sagt uns, dass sie hier seit heute Morgen 6:00 Uhr warten und nun ist es bereits 20:00 Uhr. Sie kommen von Mekka und haben gestern einen Flieger nach Marokko verpasst, was nicht ungewöhnlich ist, wie wir am Ende unserer Reise noch feststellen müssen.
Als der Schalter geöffnet wird, bricht leichtes Chaos aus. Immer, wenn ein Marokkaner mit 2(!) Handgepäckstückendurchgelassen wird, drängen einige Araber nach und versuchen, noch mit durch die Barriere zu kommen. Nebenan werden die übrigen mindestens 5 Gepäckstücke dieses einen Passagiers unter der Barriere des Boarding-Bereichs per Fuß hindurch geschoben und so am Schalter vorbei geschleust.
Die Mitarbeiter der Fluggesellschaft sind völlig überlastet und nachdem eine Mitarbeiterin von der Menge zu Boden gerissen worden ist, wird männliche Verstärkung angefordert. Warum dies nicht schon viel früher passierte, ist uns unbegreiflich. Nach und nach kommen alle Fluggäste in den Boarding-Bereich und nach kurzer Zeit wird der Run
auf das Flugzeug eröffnet. Das Gedränge gleicht nun eher einem Winterschlussverkauf als dem Beginn eines Fluges und auf jedem Rockkonzert geht es gesitteter zu.
Wie zu erwarten war, ist die Lage im Flugzeug auch nicht anders und das entnervte Personal kündigt "Free-Sitting" an. Oh je, das kenne ich schon aus Indien und nun darf jeder sitzen, wo er gerne mag. Damals ging es sehr chaotisch zu. Einige Marokkaner setzten sich gleich mal in die Erste Klasse und sind von dort trotz Protesten nicht mehr weg zu bewegen.
Nach dem wider erwartet ruhigen Flug werden die "Gastgeschenke" der Fluggesellschaft, Kissen und Decken, in die übervollen Handgepäckstücke gestopft und bei der Gepäckausgabe wundern wir uns, dass diese Menschen bei so viel Handgepäck auch noch riesige Koffer mit sich führen.
Das Verhalten der Menschen klärt sich später auf: Sie kommen von einer Pilgerreise nach Mekka und wahrscheinlich ist es für die meisten die erste Flugreise ihres Lebens gewesen.
Um 0:30 Uhr sind wir endlich am Ziel, einem Hotel in Casablanca, angekommen.